Die The­ra­pie rich­tet sich nach dem Alter des Pati­en­ten und dem Schwe­re­grad der Sko­liose. Der beste Erfolg der The­ra­pie stellt sich bei einer Behand­lung noch wäh­rend der Wachs­tums­phase ein.

Je nach Schwere der Sko­liose kommt vor allem Phy­sio­the­ra­pie nach K. Schroth oder Vojta, Kor­sett­the­ra­pie oder eine Ope­ra­tion in Frage. 

Die Kran­ken­gym­nas­tik

Die leichte Sko­liose (bis 20° nach Cobb) wird vor allem durch kran­ken­gym­nas­ti­sche Maß­nah­men the­ra­piert. Mit Hilfe von akti­ven Übun­gen soll der Mus­kel­auf­bau geför­dert und ein gutes Kör­per­ge­fühl für eine auf­rechte, sym­me­tri­sche Kör­per­hal­tung und Bewe­gung ent­wi­ckelt wer­den. Auch Neu­ro­phy­sio­lo­gi­sche- und Elek­tro­sti­mu­la­ti­ons­ver­fah­ren zur Anre­gung bestimm­ter Mus­kel­grup­pen kom­men zum Ein­satz. Das Ziel ist es, die Fehl­stel­lung der Wir­bel­säule weit­ge­hend zu korrigieren. 

Bei einer mit­tel­schwe­ren Sko­liose (20° bis 50° nach Cobb) wird zusätz­lich zur Kran­ken­gym­nas­tik eine Behand­lung mit einem Kor­sett not­wen­dig. Ziel der kon­ser­va­ti­ven The­ra­pie ist die funk­tio­nelle Sta­bi­li­sie­rung der Krüm­mung mit Ver­hin­de­rung der wei­te­ren Pro­gres­sion der Sko­liose unter fort­schrei­ten­dem Wachs­tum. Vor­beu­gung von Sekun­der­schä­den, Ver­hin­de­rung einer ope­ra­ti­ven Kor­rek­tur mit Ver­stei­fung. Die Wirk­sam­keit von phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Übun­gen hängt von der kon­ti­nu­ier­li­chen The­ra­pie ab. Die Dauer der Behand­lung kann nicht genau fest­ge­legt wer­den, jedoch es ist eine lang­jäh­rige Prozedur. 

Wäh­rend der The­ra­pie muss der Pati­ent zuerst die Abwei­chun­gen in allen drei Ebe­nen der Hal­tung wahr­neh­men kön­nen. Dar­auf­hin soll er die Ver­än­de­run­gen der Hal­tung durch die Kor­rek­tur erken­nen. Die Hal­tung der ein­zel­nen Kör­per­ab­schnitte wird aktiv kor­ri­giert, dies soll der Pati­ent in ver­schie­de­nen Aus­gangstel­lun­gen selb­stän­dig durch­füh­ren können. 

Erst wenn der Pati­ent die Hal­tung selb­stän­dig kor­ri­gie­ren kann, wird diese sta­bi­li­siert und gekräf­tigt. Die Kor­rek­tur der Hal­tung erfolgt immer in der glei­chen Rei­hen­folge von kau­dal nach kra­nial, zuerst die Sagital‑, dann Fron­tal- und Trans­ver­sal­ebene. Wenn es not­wen­dig ist wird die Folge ver­än­dert, doch in der Ver­än­de­rung beibehalten.

Der The­ra­peut unter­stützt den Pati­ent mit ver­ba­len Auf­trä­gen, Füh­rungs­kon­takt, Hal­te­wie­der­stand zur akti­ven Fixa­tion, opti­schen Kon­trolle und Anlei­tung zu tak­ti­len und opti­schen Kon­trolle durch den Pati­en­ten selbst.

Die Behand­lung nach K. Schroth erfolgt auf zwei unter­schied­li­che Wei­sen, aktiv und passiv.

Zu akti­ven gehö­ren z.B. „Hoch­re­cken im Schnei­der­sitz zwi­schen zwei Stä­ben“ oder „Becken­he­ben aus der Seit­lage“, die atem­ab­hän­gig aus­ge­führt wer­den. Mit der akti­ven Tätig­keit wirkt der Pati­ent der Sko­liose entgegen. 

Bei der pas­si­ven Behand­lung wer­den unter dem Rip­pen­bu­ckel (Kon­ve­xi­tät) Sand­säck­chen gelegt, um dort einen ent­ge­gen­wir­ken­den Druck aus­zu­üben. Das glei­che macht man in der Seitenlage. 

Bei der Behand­lung nach Vojta wird das Prin­zip der Reflex­fort­be­we­gung benutzt. Die­ser wird in ganz bestimm­ten Lagen aus­ge­führt. Durch einen Druck an genau fest­ge­leg­ten Zonen oder Punk­ten wer­den Reize gesetzt, die ein Reflex­krie­chen und Reflex­dre­hen her­vor­ru­fen. Die Aus­gangs­lage, Druck­rich­tung, Druck­stärke und Dauer wer­den bei jedem Pati­ent indi­vi­du­ell angepasst. 

Zusam­men­fas­send kann man sagen, dass die phy­si­ka­li­sche The­ra­pie auch nach ande­ren The­ra­peu­ten, dem Pati­ent hel­fen soll aktiv und selb­stän­dig der Sko­liose ent­ge­gen wir­ken zu können. 

Die Kor­sett – Therapie

Wie schon erwähnt wer­den phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men durch ein Kor­sett unter­stützt. Die­ses fixiert die Becken- und Schul­ter­gür­tel gegen Ver­dre­hung und kor­ri­giert die Wir­bel­säule pas­siv durch ver­schie­dene Druck- und Ent­las­tungs­zo­nen. Mit der vor­ge­ge­be­nen Kor­rek­tur­stel­lung wird das wei­tere Wachs­tum der Wir­bel­säule beein­flusst, das Fort­schrei­ten der Fehl­stel­lung kann somit auf­ge­hal­ten wer­den. Eine Bes­se­rung des Aus­gangs­be­funds ist jedoch nur im Zusam­men­hang mit regel­mä­ßi­ger Kran­ken­gym­nas­tik zu erreichen. 

Da es sich bei Sko­liose um eine Wachs­tums­de­for­mi­tät han­delt, ist ein kon­se­quen­tes tra­gen von aus­schla­gen­der Bedeu­tung. Es wird ange­strebt das Kor­sett 23 Stun­den am Tag zu tra­gen. Kor­setts kön­nen aus Modu­len oder nach einem Abdruck indi­vi­du­ell ange­fer­tigt werden. 

Das bekann­teste Aktiv-Kor­sett ist das Mil­wau­kee-Kor­sett. Dem Pati­ent wird auf­ge­tra­gen mit Hilfe die­ses Kor­setts aktiv die Auf­recht­hal­tung zu erhalten. 

Das Bos­ton-Kor­sett ist das bekann­teste Pas­siv-Kor­sett. Es ist ein Modul-Model. Es fixiert sehr eng das Becken und die lum­bale Wir­bel­säule. Durch die Pols­te­rung wird Druck in kor­ri­gie­rende Rich­tung auf die Wir­bel­säule ausgeübt.

Das Chenau-Kor­sett hat die glei­che Funk­tion wie das Bos­ton-Kor­sett, mit zusätz­li­cher Ein­schlie­ßung des Thorax. 

Die Ope­ra­tion

Die schwe­ren Sko­lio­sen mit einer Krüm­mung von über 50° nach Cobb müs­sen, nach dem alle kon­ser­va­ti­ven Behand­lungs­mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft sind und diese kei­nen The­ra­pier­folg gebracht haben, in der Regel ope­ra­tiv behan­delt wer­den. Dies geschieht etwa um das 12 bis 14 Lebensjahr. 

Damit durch die Ope­ra­tion die Fehl­stel­lung mög­lichst effek­tiv kor­ri­giert wird, wer­den Trak­ti­ons­ver­fah­ren zur Vor­be­rei­tung ein­ge­setzt. Die effek­tivste ist die Halo-Schwer­kraft-Trak­tion, bei der über einen am Schä­del ange­brach­ten Metall­ring die Wir­bel­säule 3 bis 4 Wochen lang unter Zug gestreckt und umge­bende Mus­ku­la­tur gelo­ckert wird.

Bei der Ope­ra­tion wird die Sko­liose kor­ri­giert und die Wir­bel­säule in ihrer neuen Form sta­bi­li­siert. Dazu ist es not­wen­dig, bestimmte Wir­bel­säu­len­seg­mente zu ver­stei­fen (Spon­dy­lo­dese), um künf­tig eine volle Belast­bar­keit zu ermög­li­chen. Die durch Ver­stei­fung ver­min­derte Beweg­lich­keit wird von den Pati­en­ten meist als wenig ein­schrän­kend empfunden.

Um die Sko­liose ope­ra­tiv zu begra­di­gen sind meh­rere Schritte nötig. Die Wir­bel­säule muss nicht nur in ihrer seit­li­chen Aus­bie­gung begra­digt, son­dern auch die Rota­tion und Tor­sion müs­sen aus­ge­gli­chen wer­den. Es gibt das ven­trale und dor­sale Ope­ra­ti­ons­ver­fah­ren. Beim ven­tra­lem Ver­fah­ren wird der Zugang vom Brust- bzw. Bauch­be­reich gewählt, beim dor­sa­lem Ver­fah­ren vom Rücken aus.

Intra­ope­ra­tiv wer­den die Wir­bel in eine kor­rekte Stel­lung gebracht und fixiert. Dazu wer­den Schrau­ben in den Wir­bel­kör­per ein­ge­bracht, wel­che durch Metall­stäbe oder Metall­ka­bel ver­bun­den wer­den. Durch Auf­ein­an­der­schrau­ben kön­nen die Wir­bel in ihrer Posi­tion ver­än­dert werden. 

Post­ope­ra­tiv müs­sen Pati­en­ten eine Zeit­lang ein Kor­sett bzw. Rumpf­gips tra­gen. Nach der Ossi­fi­ka­tion der Wir­bel haben die Metall­im­plan­tate keine Bedeu­tung mehr. Phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Betreu­ung nach der Ope­ra­tion ist von gro­ßer Bedeutung.

Die Vor­beu­gung

Da in den meis­ten Fäl­len die aus­lö­sende Ursa­che für die Sko­liose nicht bekannt ist, kön­nen keine spe­zi­el­len vor­beu­gen­den Maß­nah­men getrof­fen wer­den. Je frü­her die Ent­wick­lung einer Fehl­stel­lung der Wir­bel­säule erkannt wird, desto weni­ger und belas­tend sind die not­wen­di­gen Behand­lungs­maß­nah­men und desto grö­ßer sind ihre Erfolgs­aus­sich­ten. Die Not­wen­dig­keit einer Ope­ra­tion kann in der Regel durch eine recht­zei­tige Früh­erken­nung ver­mie­den werden. 

Es ist rat­sam regel­mä­ßig die Hal­tung von Kin­dern durch den ein­fa­chen Vor­beu­ge­test zu überprüfen. 

Liegt auf­grund einer ande­ren Erkran­kung ein erhöh­tes Risiko für die Aus­bil­dung einer Sko­liose vor, sollte die Wir­bel­säu­len­hal­tung in jedem Fall ortho­pä­disch über­prüft wer­den. Dar­über hin­aus kön­nen bei bestimm­ten Erkran­kun­gen spe­zi­elle Vor­beu­ge­maß­na­men ergrif­fen wer­den. So soll­ten z.B. Bein­län­gen­dif­fe­ren­zen durch eine Absatz­er­hö­hung aus­ge­gli­chen und die Rücken­mus­ku­la­tur durch ent­spre­chende Kran­ken­gym­nas­tik gestärkt werden.