Scheu­er­mann­sche Krank­heit – Mor­bus Scheu­er­mann

Die 1920 erst­mals beschrie­bene Scheu­er­mann­sche-Krank­heit ist eine der jugend­li­chen Osteo­chond­ro­sen. Im Wesent­li­chen ist es die Osteo­chond­rose der Brust­wir­bel­kör­per, die zu keil­för­mi­gen Wir­beln führt. Es ver­ur­sacht erhöhte Kyphose, schlechte Hal­tung und Rücken­schmer­zen. Sie ist die häu­figste Ursa­che für Struk­tur­ky­phose bei Jugend­li­chen.

Ver­wir­ren­der­weise hat Scheu­er­mann auch Ver­än­de­run­gen beschrie­ben, die in den Len­den­wir­bel­räu­men auf­tre­ten kön­nen – heute als jugend­li­che Band­schei­ben­er­kran­kung bezeich­net. Dies ist eine ganz andere Bedin­gung.

Patho­phy­sio­lo­gie

Osteo­chond­ro­sen haben alle einen Defekt in der Kno­chen­bil­dung. Bei der Scheu­er­mann-Krank­heit liegt ein Defekt in den sekun­dä­ren Ver­knö­che­rungs­zen­tren der Wir­bel­kör­per vor. Es kön­nen einige Wir­bel­kör­per oder die gesamte Brust-Len­den­wir­bel­säule betrof­fen sein.
Die Ursa­che ist unbe­kannt, aber es wird ange­nom­men, dass erb­li­che Fak­to­ren eine Rolle in der Patho­phy­sio­lo­gie spie­len. Aller­dings wurde bis­her noch kein defi­ni­ti­ver Ver­er­bungs­mo­dus oder gene­ti­scher Mar­ker fest­ge­stellt.
Wei­tere Fak­to­ren sind ein Zusam­men­hang zwi­schen der Scheu­er­mann-Krank­heit und einer über­durch­schnitt­li­chen Größe sowie ein Zusam­men­hang mit einem höhe­ren BMI und einem erhöh­ten Wachs­tums­hor­mon­spie­gel. Eine Stu­die hat gezeigt, dass das erhöhte Gewicht und die erhöhte Kör­per­größe bei Men­schen mit Scheu­er­mann-Krank­heit nicht Teil des krank­heits­er­re­gen­den Mecha­nis­mus sind, deu­tet aber dar­auf hin, dass es sich hier­bei um Neben­wir­kun­gen han­delt.
Als mög­li­che Ursa­chen wur­den auch mecha­ni­sche Fak­to­ren und Trau­mata genannt ; die Ätio­lo­gie ist wahr­schein­lich mul­ti­fak­to­ri­ell.

Epi­de­mio­lo­gie

In der Regel bei Kin­dern im Alter von 13 – 16 Jah­ren.
Die Häu­fig­keit wird unter­schied­lich zwi­schen 0,4% und 8% ange­ge­ben, und einige Stu­dien deu­ten dar­auf hin, dass sie bei Män­nern häu­fi­ger vor­kommt, obwohl andere Stu­dien dem wider­spre­chen.

His­to­rie

Hal­tungs­schwä­che mit erhöh­ter Kyphose (meist von den Eltern bemerkt).
Stump­fer, nicht aus­strah­len­der Schmerz um die Spitze der Kyphose herum
Neu­ro­lo­gi­sche Sym­ptome sind sel­ten das Haupt­merk­mal, aber es besteht ein erhöh­tes Risiko für Band­schei­ben­de­ge­ne­ra­tion und Schnur­kom­pres­sion im Alter.

Unter­su­chung

Es ist nor­mal, eine gewisse Kyphose zu haben. Jeder Grad der Kyphose von mehr als 50° gilt als anor­ma­ler Zustand.
Die kypho­ti­sche Defor­mi­tät kann fort­schrei­tend sein.
Die obere Brust­ky­phose ist am bes­ten in der nach vorne gebeug­ten Posi­tion zu sehen, die untere Brust­ky­phose ist an der tho­ra­ko­lum­ba­len Ver­bin­dung zu sehen.
Die Fle­xi­bi­li­tät der Wir­bel­säule ist ein­ge­schränkt.
Über und unter der Spitze der Kyphose kann es zu Emp­find­lich­keit kom­men.
Ein Drit­tel der Pati­en­ten wird auch eine leichte Sko­liose, eine Spon­dy­lo­lyse von L5 oder eine lum­bo­sa­krale Spon­dy­lo­lis­these haben.
Sie soll­ten eine neu­ro­lo­gi­sche Unter­su­chung durch­füh­ren, jedoch sind neu­ro­lo­gi­sche Anzei­chen sel­ten.

Unter­su­chun­gen

Die Rönt­gen­auf­nahme der Wir­bel­säule ist für die Dia­gnose der Sheu­er­mann-Krank­heit erfor­der­lich, da sie durch das Auf­tre­ten von Hyper­ky­phose und „keil­för­mi­gen Wir­bel­kör­pern mit einer vor­de­ren Ver­kei­lung von min­des­tens 5° oder mehr in min­des­tens drei benach­bar­ten Wir­bel­kör­pern” defi­niert ist. Antero­pos­te­riore (AP) und late­rale Auf­nah­men sind erfor­der­lich, im Ste­hen mit um 90° ange­ho­be­nen Armen. Die gesamte tho­ra­ko­lum­bale Wir­bel­säule und das Becken soll­ten abge­bil­det wer­den.

Behand­lung

Bei leich­ten Krank­hei­ten kann die Ver­mei­dung von anstren­gen­der Akti­vi­tät und das ver­hin­dern von schwe­rem Tra­gen alles sein, was nötig ist. Es wer­den zusätz­lich ärzt­li­che Beob­ach­tun­gen und Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen durch­ge­führt.
Die Phy­sio­the­ra­pie kann Schmer­zen lin­dern, ins­be­son­dere wenn die Krank­heit ein kur­zes Seg­ment betrifft, aber das Fort­schrei­ten der Kyphose nicht beein­flusst.
Bei schwer­wie­gen­de­ren Erkran­kun­gen, wenn der Kno­chen noch unreif ist, eine gewisse Fle­xi­bi­li­tät in der Kyphose besteht und die Win­ke­lung <65° beträgt, kann eine Wir­bel­säu­len­orthese ver­wen­det wer­den. Kor­setts kön­nen für meh­rere Jahre lang emp­foh­len wer­den, aber obwohl dies eine Ver­bes­se­rung mit Umkeh­rung der Ver­kei­lung bewir­ken kann, geht diese bei 30% der Pati­en­ten teil­weise schief, selbst bei rich­ti­ger Anwen­dung.
Eine Ope­ra­tion wird in der Regel nur bei neu­ro­lo­gi­schem Defi­zit, unkon­trol­lier­ten Schmer­zen, inak­zep­ta­blem kos­me­ti­schem Aus­se­hen oder doku­men­tier­tem Ver­lauf durch­ge­führt, ist aber nicht nur durch den Grad der Kyphose ange­zeigt.