Belas­tungs­stö­rung, post­trau­ma­ti­sche

Post­trau­ma­ti­sche Belas­tungs­stö­rung (PTBS), ein­mal Shell-Shock oder Kampf­mü­dig­keits­syn­drom genannt, ist ein erns­ter Zustand, der sich ent­wi­ckeln kann, nach­dem eine Per­son ein trau­ma­ti­sches oder schreck­li­ches Ereig­nis erlebt oder mit­er­lebt hat, bei dem ein schwe­rer kör­per­li­cher Scha­den ein­ge­tre­ten ist oder droht. PTBS ist eine dau­er­hafte Folge trau­ma­ti­scher Tor­tu­ren, die inten­sive Angst, Hilf­lo­sig­keit oder Schre­cken ver­ur­sa­chen, wie z.B. ein sexu­el­ler oder kör­per­li­cher Über­griff, der uner­war­tete Tod eines gelieb­ten Men­schen, ein Unfall, Krieg oder eine Natur­ka­ta­stro­phe. Fami­lien von Opfern kön­nen eben­falls PTBS ent­wi­ckeln, ebenso wie Ret­tungs­kräfte und Ret­tungs­per­so­nal.

Die meis­ten Men­schen, die ein trau­ma­ti­sches Ereig­nis erle­ben, wer­den Reak­tio­nen haben, die Schock, Wut, Ner­vo­si­tät, Angst und sogar Schuld beinhal­ten kön­nen. Diese Reak­tio­nen sind häu­fig, und für die meis­ten Men­schen ver­schwin­den sie mit der Zeit. Für eine Per­son mit PTBS, jedoch, diese Gefühle wei­ter­hin und sogar zuneh­men, immer so stark, dass sie die Per­son davon abhal­ten, ein nor­ma­les Leben zu füh­ren. Men­schen mit PTBS haben Sym­ptome für mehr als einen Monat und kön­nen nicht mehr so gut funk­tio­nie­ren wie vor dem Ereig­nis.

Was sind die Sym­ptome einer PTBS ?

Die Sym­ptome einer PTBS begin­nen meist inner­halb von drei Mona­ten nach dem Ereig­nis. In eini­gen Fäl­len begin­nen sie jedoch erst Jahre spä­ter. Die Schwere und Dauer der Erkran­kung vari­iert. Einige Men­schen erho­len sich inner­halb von sechs Mona­ten, wäh­rend andere viel län­ger lei­den.

Sym­ptome von PTBS wer­den oft in vier Haupt­ka­te­go­rien ein­ge­teilt, dar­un­ter :

Erle­ben : Men­schen mit PTBS erle­ben die Tor­tur immer wie­der durch Gedan­ken und Erin­ne­run­gen an das Trauma. Dazu kön­nen Rück­blen­den, Hal­lu­zi­na­tio­nen und Alp­träume gehö­ren. Sie kön­nen auch große Bedräng­nis emp­fin­den, wenn bestimmte Dinge sie an das Trauma erin­nern, wie z.B. der Jah­res­tag des Ereig­nis­ses.

Ver­mei­den : Die Per­son kann Per­so­nen, Orte, Gedan­ken oder Situa­tio­nen ver­mei­den, die sie an das Trauma erin­nern kön­nen. Dies kann zu Gefüh­len der Distanz und Iso­la­tion von Fami­lie und Freun­den sowie zu einem Ver­lust des Inter­es­ses an Akti­vi­tä­ten füh­ren, die die Per­son einst genos­sen hat.

Erhöhte Auf­merk­sam­keit : Dazu gehö­ren über­mä­ßige Emo­tio­nen, Pro­bleme in Bezug auf andere, ein­schließ­lich Gefühl oder Zunei­gung, Schwie­rig­kei­ten beim Ein­schla­fen oder Blei­ben, Reiz­bar­keit, Aus­brü­che von Wut, Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten und „ner­vös” oder leicht erschreckt zu sein. Die Per­son kann auch kör­per­li­che Sym­ptome wie erhöh­ten Blut­druck und Herz­fre­quenz, schnelle Atmung, Mus­kel­span­nung, Übel­keit und Durch­fall erlei­den.

Nega­tive Kogni­tio­nen und Stim­mung : Dies bezieht sich auf Gedan­ken und Gefühle, die mit Schuld, Ent­frem­dung und Erin­ne­run­gen an das trau­ma­ti­sche Ereig­nis ver­bun­den sind.

Kleine Kin­der mit PTBS kön­nen unter einer ver­zö­ger­ten Ent­wick­lung in Berei­chen wie Toi­let­ten­trai­ning, moto­ri­sche Fähig­kei­ten und Spra­che lei­den.

Wie bekommt man PTBS ?

Jeder Mensch reagiert auf trau­ma­ti­sche Ereig­nisse anders. Jeder Mensch ist ein­zig­ar­tig in sei­ner Fähig­keit, mit Angst und Stress umzu­ge­hen und mit der Bedro­hung durch ein trau­ma­ti­sches Ereig­nis oder eine trau­ma­ti­sche Situa­tion umzu­ge­hen. Aus die­sem Grund wird nicht jeder, der ein Trauma erlebt oder mit­er­lebt, eine PTBS ent­wi­ckeln. Dar­über hin­aus kann die Art der Hilfe und Unter­stüt­zung, die eine Per­son von Freun­den, Fami­li­en­mit­glie­dern und Fach­leu­ten nach dem Trauma erhält, die Ent­wick­lung der PTBS oder die Schwere der Sym­ptome beein­flus­sen.

PTBS wurde zuerst zur Auf­merk­sam­keit der medi­zi­ni­schen Gemein­schaft von Kriegs­ve­te­ra­nen gebracht ; daher die Namen Shell Shock und Battle Fati­gue Syn­drome. Eine PTBS kann jedoch bei jedem auf­tre­ten, der ein trau­ma­ti­sches Ereig­nis erlebt hat, das Tod oder Gewalt bedroht. Men­schen, die als Kin­der miss­braucht wur­den oder wie­der­holt lebens­be­droh­li­chen Situa­tio­nen aus­ge­setzt waren, sind einem grö­ße­ren Risiko für die Ent­wick­lung von PTBS aus­ge­setzt. Opfer von Trau­mata im Zusam­men­hang mit kör­per­li­chen und sexu­el­len Über­grif­fen sind das größte Risiko für PTBS.

Wie häu­fig ist PTBS ?

Etwa 3,6% der erwach­se­nen Men­schen in Deutsch­land – etwa 5,2 Mil­lio­nen Men­schen – lei­den im Laufe eines Jah­res an PTBS, und geschätzte 7,8 Mil­lio­nen Men­schen in den Deutsch­land wer­den irgend­wann in ihrem Leben an PTBS lei­den. PTBS kann sich in jedem Alter ent­wi­ckeln, auch in der Kind­heit. Frauen ent­wi­ckeln mit grö­ße­rer Wahr­schein­lich­keit eine PTBS als Män­ner. Dies kann dar­auf zurück­zu­füh­ren sein, dass Frauen eher Opfer von häus­li­cher Gewalt, Miss­brauch und Ver­ge­wal­ti­gung wer­den.

Wie wird PTBS dia­gnos­ti­ziert ?

Eine PTBS wird erst nach Ablauf von min­des­tens einem Monat nach Ein­tritt eines trau­ma­ti­schen Ereig­nis­ses dia­gnos­ti­ziert. Wenn Sym­ptome von PTBS vor­lie­gen, beginnt der Arzt mit der Beur­tei­lung, indem er eine voll­stän­dige Ana­mnese und kör­per­li­che Unter­su­chung durch­führt. Obwohl es keine Labor­tests zur spe­zi­fi­schen Dia­gnose von PTBS gibt, kann der Arzt ver­schie­dene Tests ver­wen­den, um kör­per­li­che Erkran­kun­gen als Ursa­che der Sym­ptome aus­zu­schlie­ßen.

Wenn keine kör­per­li­che Erkran­kung fest­ge­stellt wird, kön­nen Sie an einen Psych­ia­ter, Psy­cho­lo­gen oder ande­ren Psych­ia­ter über­wie­sen wer­den, der spe­zi­ell für die Dia­gnose und Behand­lung psy­chi­scher Erkran­kun­gen aus­ge­bil­det ist. Psych­ia­ter und Psy­cho­lo­gen ver­wen­den spe­zi­ell ent­wi­ckelte Inter­view- und Beur­tei­lungs­in­stru­mente, um eine Per­son auf das Vor­han­den­sein von PTBS oder ande­ren psych­ia­tri­schen Erkran­kun­gen zu beur­tei­len. Der Arzt stützt seine PTBS-Dia­gnose auf die gemel­de­ten Sym­ptome, ein­schließ­lich aller durch die Sym­ptome ver­ur­sach­ten Funk­ti­ons­stö­run­gen. Der Arzt bestimmt dann, ob die Sym­ptome und der Grad der Dys­funk­tion auf eine PTBS hin­wei­sen. PTBS wird dia­gnos­ti­ziert, wenn die Per­son Sym­ptome von PTBS hat, die mehr als einen Monat andau­ern.

Wie wird eine Belas­tungs­stö­rung behan­delt ?

Das Ziel der PTBS-Behand­lung ist es, die emo­tio­na­len und kör­per­li­chen Sym­ptome zu redu­zie­ren, das täg­li­che Funk­tio­nie­ren zu ver­bes­sern und der Per­son zu hel­fen, bes­ser mit dem Ereig­nis umzu­ge­hen, das die Stö­rung aus­ge­löst hat. Die Behand­lung von PTBS kann eine Psy­cho­the­ra­pie (eine Art von Bera­tung), Medi­ka­mente oder bei­des beinhal­ten.

Medi­ka­mente : Ärzte ver­wen­den bestimmte Anti­de­pres­siva zur Behand­lung von PTBS – und zur Kon­trolle der Angst­ge­fühle und der damit ver­bun­de­nen Sym­ptome – ein­schließ­lich selek­ti­ver Sero­to­nin-Wie­der­auf­nah­me­hem­mer wie Paxil, Cel­exa, Luvox, Pro­zac und Zoloft ; und drei­zy­kli­sche Anti­de­pres­siva wie Ela­vil und Doxe­pin. Stim­mungs­sta­bi­li­sa­to­ren wie Depa­kote und Lamic­tal und aty­pi­sche Anti­psy­cho­tika wie Sero­quel und Abi­lify wer­den manch­mal ein­ge­setzt. Bestimmte Blut­druck­me­di­ka­mente wer­den manch­mal auch zur Kon­trolle bestimm­ter Sym­ptome ein­ge­setzt. Bei­spiels­weise kann Pra­zo­sin bei Alp­träu­men oder Pro­pra­no­lol ver­wen­det wer­den, um die Bil­dung trau­ma­ti­scher Erin­ne­run­gen zu mini­mie­ren. Exper­ten raten davon ab, Beru­hi­gungs­mit­tel wie Ativan oder Klon­opin bei PTBS zu ver­wen­den, da Stu­dien nicht gezeigt haben, dass sie hilf­reich sind und zudem ein Risiko für kör­per­li­che Abhän­gig­keit oder Sucht dar­stel­len.

Psy­cho­the­ra­pie : Die Psy­cho­the­ra­pie bei PTBS beinhal­tet die Unter­stüt­zung der Per­son beim Erler­nen von Fähig­kei­ten, um Sym­ptome zu behan­deln und Wege zur Bewäl­ti­gung zu ent­wi­ckeln. Die The­ra­pie zielt auch dar­auf ab, die Per­son und ihre Fami­lie über die Erkran­kung auf­zu­klä­ren und der Per­son zu hel­fen, die mit dem trau­ma­ti­schen Ereig­nis ver­bun­de­nen Ängste zu über­win­den. Eine Viel­zahl von psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Ansät­zen wer­den zur Behand­lung von Men­schen mit PTBS ein­ge­setzt, ein­schließ­lich :

  • - Kogni­tive Ver­hal­tens­the­ra­pie, bei der man lernt, Denk­mus­ter zu erken­nen und zu ver­än­dern, die zu stö­ren­den Emo­tio­nen, Gefüh­len und Ver­hal­tens­wei­sen füh­ren.
  • - Ver­län­gerte Expo­si­ti­ons­the­ra­pie, eine Art Ver­hal­tens­the­ra­pie, bei der die Per­son die trau­ma­ti­sche Erfah­rung wie­der auf­le­ben lässt oder die Per­son Objek­ten oder Situa­tio­nen aus­setzt, die Angst ver­ur­sa­chen. Dies geschieht in einer gut kon­trol­lier­ten und siche­ren Umge­bung. Eine ver­län­gerte Expo­si­ti­ons­the­ra­pie hilft der Per­son, sich der Angst zu stel­len und sich all­mäh­lich in Situa­tio­nen zurecht­zu­fin­den, die beängs­ti­gend sind und Angst ver­ur­sa­chen. Dies war sehr erfolg­reich bei der Behand­lung von PTBS.
  • - Die psy­cho­dy­na­mi­sche The­ra­pie kon­zen­triert sich dar­auf, dem Men­schen zu hel­fen, per­sön­li­che Werte und die durch das trau­ma­ti­sche Ereig­nis ver­ur­sach­ten emo­tio­na­len Kon­flikte zu unter­su­chen.
  • - Die Fami­li­en­the­ra­pie kann nütz­lich sein, weil das Ver­hal­ten der Per­son mit PTBS einen Ein­fluss auf andere Fami­li­en­mit­glie­der haben kann.
  • - Die Grup­pen­the­ra­pie kann hilf­reich sein, indem sie es der Per­son ermög­licht, Gedan­ken, Ängste und Gefühle mit ande­ren Men­schen zu tei­len, die trau­ma­ti­sche Ereig­nisse erlebt haben.

Wie sind die Aus­sich­ten für Men­schen mit einer post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­rung ?

Die Wie­der­her­stel­lung nach einer PTBS ist ein all­mäh­li­cher und kon­ti­nu­ier­li­cher Pro­zess. Die Sym­ptome einer PTBS ver­schwin­den sel­ten ganz, aber die Behand­lung kann den Betrof­fe­nen hel­fen, bes­ser damit umzu­ge­hen. Die Behand­lung kann zu weni­ger und weni­ger inten­si­ven Sym­pto­men füh­ren, sowie zu einer bes­se­ren Bewäl­ti­gung der mit dem Trauma ver­bun­de­nen Gefühle.

Es wird der­zeit an den Fak­to­ren geforscht, die zu PTBS füh­ren, und es wer­den neue Behand­lungs­mög­lich­kei­ten gefun­den.