Das Kom­part­ment­syn­drom oder das Fas­zi­en­syn­drom

Das Kom­part­ment­syn­drom kann sich in jeder ana­to­mi­schen Struk­tur ent­wi­ckeln, in der geschlos­sene Räume mit kon­stan­tem Volu­men vor­han­den sind. Es sind die Schul­ter, der Unter­arm, die Hände, das Schien­bein und die Bauch­höhle sein. Die Haupt­gründe für die Ent­wick­lung des Kom­part­ment­syn­droms sind die Erhal­tung oder die Ver­rin­ge­rung des Hohl­raum­vo­lu­mens und die Ver­grö­ße­rung des Volu­mens sei­nes Inhalts. Das Kom­part­ment­syn­drom tritt durch den Druck in der Fas­zie auf, der von außen mit einem Gips­ver­band erhöht wird, was sich mit dem Druck in der Fas­zie sum­miert. Der intra­fa­ziale Druck wird durch einen Kno­chen­bruch, durch wel­chen sich lang­same Ein­blu­tun­gen bis zu 1 Liter bil­den kön­nen und ein all­mäh­lich zuneh­men­des trau­ma­ti­sches Ödem ent­steht, ver­ur­sacht.

Die Kli­nik unter­schei­det zwi­schen mus­ku­lär-fas­zia­lem und abdo­mi­na­lem Kom­part­ment­syn­drom. Die­ses Syn­drom ist gekenn­zeich­net durch starke, immer stär­ker wer­dende Schmer­zen, Schmer­zen bei pas­si­ven Bewe­gun­gen, die Ver­här­tung der Mus­kel­masse vor dem Hin­ter­grund eines wach­sen­den venö­sen Ödems, Spas­men des „Arte­ri­en­baums” und Blässe der Haut, Par­äs­the­sien, Läh­mer­schei­nun­gen und Läh­mun­gen. Selbst unter den Bedin­gun­gen stän­dig wach­sen­der Ödeme bleibt die Pul­sa­tion der Haupt­ge­fäße lange Zeit erhal­ten. Vor dem Hin­ter­grund eines aus­ge­dehn­ten Ödems ent­wi­ckeln sich mul­ti­ple Frak­tu­ren. Die Per­fu­sion nimmt auf­grund von den gro­ben Stö­run­gen der Mikro­zir­ku­la­tion ab. Die Dif­fe­ren­ti­al­dia­gno­sen sind sehr schwie­rig. Zur Früh­erken­nung ist es not­wen­dig die bio­che­mi­sche Ana­ly­sen und die Kon­trolle der Elek­tro­lyte durch­zu­füh­ren.

Die Pati­en­ten mit einem geprell­ten Unter­schen­kel soll­ten trotz des Feh­lens schwe­rer Schä­den und des Vor­han­den­seins unbe­schä­dig­ter Kno­chen und Mus­keln soll­ten beob­ach­tet wer­den, um eine mög­li­che Ent­wick­lung eines loka­len ischä­mi­schen Hyper­to­nie-Syn­droms zu ver­hin­dern, des­sen mor­pho­lo­gi­sches Bild voll­stän­dig mit der Patho­mor­pho­lo­gie der Weich­teil­kom­pres­sion über­ein­stimmt.

Die Rhab­do­myo­lyse

Eine andere Form der Mus­kel­ne­krose, die sich ohne Frak­tu­ren ent­wi­ckelt, auf­grund der Stö­rung des Blut­flus­ses, die direkt durch ein direk­tes Trauma, eine starke lokale Quet­schung der Mus­kel­masse oder als die Folge einer ver­län­ger­ten Posi­ti­ons­ein­schnü­rung ver­ur­sacht wird, ist die Rhab­do­myo­lyse.

Die chir­ur­gi­sche Hilfe umfasst eine para­va­sale oder intra­ar­te­ri­elle Novo­ka­in­blo­ckade, eine Fas­zio­to­mie ; eine Dis­sek­tion dich­ter, unnach­gie­bi­ger Fas­zi­en­hül­len, die Mus­kel­fa­sern zusam­men­drü­cken, Ent­las­tung der Ver­en­gung, eine Besei­ti­gung des Häma­toms, eine Revi­sion des Gefäß­ner­ven­bün­dels und die Ver­nähung der Haut. Eine frühe radi­kale Dekom­pres­si­ons­fas­zio­to­mie mit der Eröff­nung aller Mus­kel­mas­sen bis hin zur Resek­tion der Fibula kann das Fort­schrei­ten eines loka­len ischä­mi­schen Hyper­to­nie-Syn­droms oder Kom­part­ment­syn­droms ver­hin­dern.

Die lage­rungs­be­dingte Kom­pres­sion

Vor dem Hin­ter­grund eines Ödems ohne Anzei­chen von den Fluk­tua­tio­nen beob­ach­tet man die Durch­blu­tung des Gewe­bes von der Brust, des Len­den- und Becken­be­reichs und der obe­ren Extre­mi­tä­ten sowie eine inten­sive Fär­bung der Haut in dun­kel­vio­let­ter Farbe wäh­rend der lage­rungs­be­ding­ten Kom­pres­sion der obe­ren und unte­ren Extre­mi­tät. Die­ses Mus­ter fin­det sich häu­fig bei den Dro­gen­ab­hän­gige, den chro­ni­schen Alko­ho­li­kern, bei pfle­ge­be­dürf­ti­gen Per­so­nen die ver­nach­läs­sigt wur­den, zu Hause, in einer Pfle­ge­ein­rich­tung oder im Kran­ken­haus.

Das Kom­pres­si­ons­trauma

Es wird zwi­schen den leich­ten, mit­tel­schwe­ren, schwe­ren und extrem schwe­ren Kom­pres­si­ons­ver­let­zun­gen unter­schie­den.

Beim Quet­schen klei­ner Kör­per­teile inner­halb von 46 Stun­den liegt eine Kom­pres­si­ons­ver­let­zung leich­ten Gra­des vor, beim Quet­schen des Schien­beins oder der obe­ren Glied­ma­ßen für mehr als 6 Stun­den ist es eine mit­tel­schwere Kom­pres­si­ons­ver­let­zung, beim Quet­schen einer oder zweier obe­rer Glied­ma­ßen für mehr als 6 Stun­den, ist es eine schwere Kom­pres­si­ons­ver­let­zung und beim Quet­schen der unte­ren Glied­ma­ßen für mehr als 6 Stun­den, ist es eine extrem schwere Kom­pres­si­ons­ver­let­zun­gen.

In der Patho­ge­nese der Weich­teil­kom­pres­sion in den Glied­ma­ßen gibt es neun Haupt­kom­po­nen­ten der Ent­wick­lung, die die Grund­lage die­ser äußerst kom­ple­xen Patho­lo­gie bil­den. Es sind die anhal­tende Kom­pres­sion und Ischä­mie der Glied­ma­ßen, mas­sive und uner­träg­li­che Schmer­zen, ein Ver­lust vom Plasma, ein Rezir­ku­la­ti­ons­syn­drom, eine mas­sive Toxä­mie, eine akute poly­or­ga­ni­sche Insuf­fi­zi­enz, eine Ver­let­zun­gen des Kreis­lauf­sys­tems, eine Gewebs­hy­po­xie, eine Ener­gie­krise auf zel­lu­lä­rer Ebene und eine Milch­säu­re­dia­these.