Super­food” passt genau zu unse­rem Wunsch nach Aben­teuer und Romantik.

Sie haben Hin­ter­gründe wie Cha­rak­tere in Fan­tasy-Roma­nen : eine exo­ti­sche aus­län­di­sche Her­kunft, oder viel­leicht sind sie die letz­ten Relikte einer alten Tra­di­tion, mit der wir seit­dem den Kon­takt ver­lo­ren haben. Sie haben mys­te­riöse Kräfte, die auf Kräf­ten basie­ren, die wir nicht wirk­lich ver­ste­hen. Und das Beste daran ist, dass auch Sie an die­sem Aben­teuer teil­neh­men kön­nen : Geben Sie ein­fach die Hälfte Ihres Lebens­mit­tel­bud­gets für eine win­zige Tüte vol­ler angeb­li­cher Heils­brin­ger Namens SUPER­FOOD aus.

Was alles ver­spro­chen wird

Es ist ein sehr ver­füh­re­ri­sches Ver­spre­chen. Und die emo­tio­nale Anzie­hungs­kraft des mys­te­riö­sen Aben­teu­ers wird durch viele glaub­haft klin­gende wis­sen­schaft­li­che Aus­sa­gen über Anti­oxi­dan­tien, Nähr­stoffe und Stu­dien unterstützt.

Das große Pro­blem bei all dem ist, dass die meis­ten die­ser „Wun­der” nicht wirk­lich sinn­voll sind. Fast alle die­ser gesund­heits­be­zo­ge­nen Behaup­tun­gen über die Hei­lung von Krebs oder ande­ren Krank­hei­ten sind 10% Wis­sen­schaft und 90% Mar­ke­ting­hype. „Super­foods” sind (meist) gesund, und wenn man sie gerne genießt, gibt es kei­nen Grund, sie nicht zu essen, aber man kann die glei­chen Vor­teile aus prak­tisch jeder ande­ren aus­ge­wo­ge­nen Ernäh­rung zie­hen. Beson­ders bei den teu­re­ren Sachen wie Kakao­fe­dern oder Goji-Bee­ren gibt es kei­nen Grund, hin­zu­ge­hen, und dein hart ver­dien­tes Geld dafür aus­zu­ge­ben, wenn nor­ma­les Essen dir genauso gut tun wird.

2 Arten von Superfood

Ein Blick durch die Gänge eines Reform­hau­ses zeigt schnell zwei Grund­ty­pen von „Super­food”.

Exo­ti­sches Mate­rial, von dem Sie noch nie gehört haben : Maca-Wur­zel­pul­ver, Spi­ru­lina-Tablet­ten, Acai-Bee­ren, etc. und gewöhn­li­che Lebens­mit­tel, wie Brok­koli und Hei­del­bee­ren, die plötz­lich gesund­heit­li­che Eigen­schaf­ten her­vor­ge­bracht haben (umge­kehrte mito­chon­driale Fehl­funk­tion ! Antho­cyane ! Zea­xan­thin!), von deren Gehalt man nicht wusste.
Die meis­ten Lebens­mit­tel in bei­den Grup­pen sind eini­ger­ma­ßen gesund oder : zumin­dest nicht unge­sund. Aber kei­ner von ihnen ist etwas Beson­de­res ; es gibt kei­nen Grund zu der Annahme, dass eine ein­zige Nah­rung auf wun­der­same Weise Ihre Gesund­heit von lau­sig bis erstaun­lich stei­gert oder alle Ihre Ernäh­rungs­be­dürf­nisse auf ein­mal löst.

Wel­che Arten von Super­food es gibt, klä­ren wir im Folgenden.

Typ 1 : Die gehei­men Lebens­mit­tel (Super­food) der alten Inkas

Das sind die gro­ßen, dunk­len und gut­aus­se­hen­den Frem­den der Lebens­mit­tel­welt. Sie haben exo­ti­sche Namen mit selt­sa­men Aus­spra­chen und rüh­men sich aller­lei alter­tüm­li­cher tra­di­tio­nel­ler Geheim­nisse. Sie ver­kau­fen sich mit emo­tio­na­ler Kraft genauso gut wie gesund­heits­be­zo­gene Wer­be­aus­sa­gen. Wenn wir schön viel Geld aus­ge­ben, ver­spre­chen sie, dass wir nicht nur ein Essen kau­fen , son­dern auch einen Teil die­ser alten Tra­di­tio­nen. Wir wer­den der zuneh­men­den Ein­sam­keit und Iso­la­tion der moder­nen Welt ent­kom­men und uns mit etwas „Sinn­vol­le­rem” und „Ech­te­rem” verbinden.

Lei­der funk­tio­niert es so nicht

Wenn du nicht tat­säch­lich Teil einer die­ser alten Gesell­schaf­ten bist, wird der teure Ein­kauf ihrer „hei­li­gen Nah­rung” dein Leben nicht bedeu­tungs­vol­ler machen. Und auch die nähr­wert­be­zo­ge­nen Anga­ben sind mehr oder weni­ger gefälscht : Die meis­ten die­ser Lebens­mit­tel sind nicht nähr­stoff­rei­cher als gewöhn­li­ches Obst und Gemüse. Neh­men wir zum Bei­spiel zwei teure „Super­foods”: Spi­ru­lina- und Chiasamen.

Spi­ru­lina : 1 Ess­löf­fel pul­ve­ri­sierte Spi­ru­lina ent­hält : 20 Kalo­rien, Vit­amin B2 (11% RDA), Vit­amin B5 (15%), Eisen (11%), Kup­fer (21%), & 1 – 5% der meis­ten ande­ren Nähr­stoffe. Das­sieht ziem­lich gewöhn­lich aus wer­den Sie jetzt sagen – denn es ist so. Es ist nichts Fal­sches daran, aber es ist nichts, was man nicht auch aus vie­len ande­ren Gemü­se­sor­ten bekom­men könnte, ohne den gan­zen Auf­wand zu betreiben.

Chia­sa­men : 1 Unze Chia­sa­men ent­hält : 136 Kalo­rien, B1 (16%), B3 (18%), Kal­zium (18%), Phos­phor (27%), Man­gan (30%), klei­nere Men­gen eini­ger ande­rer Nähr­stoffe und eine rela­tiv hohe Dosis an Omega-3-Fet­ten. Aber man könnte auch ein­fach nur etwas Fisch essen, was auf der Mikro­nähr­stoff­seite noch vor­teil­haf­ter und auch viel lecke­rer ist.

In Bezug auf Mikro­nähr­stoffe sind Super­foods also nichts beson­de­res. Andere gesund­heits­be­zo­gene Anga­ben kon­zen­trie­ren sich auf ihren anti­oxi­da­ti­ven Gehalt, aber selbst das ist nichts, wor­über es sich lohnt teuer ein­zu­kau­fen. Anti­oxi­dan­tien aus die­ser Nah­rung sind bes­ten­falls ergän­zend ; was viel wich­ti­ger ist, sind die Anti­oxi­dan­tien, die Sie selbst her­stel­len, indem Sie viel Schla­fen und sich ins­ge­samt gesund Ernäh­ren. Es gibt ein­fach kei­nen Beweis dafür, dass die Ein­nahme von Mega­do­sen von Anti­oxi­dan­tien aus der Nah­rung oder einer ande­ren exter­nen Quelle Sie in irgend­ei­ner sinn­vol­len Weise gesün­der macht.

Wer­be­aus­sa­gen beein­dru­cken­der als die Realität

Neben­bei bemerkt, schei­nen viele „Super­foods” (z.B. Wei­zen­gras und Goji-Bee­ren) beein­dru­cken­der zu sein als sie sind, weil sie in ent­saf­te­ter, dehy­drier­ter oder pul­ve­ri­sier­ter Form ver­kauft wer­den. Durch die Ent­nahme des gesam­ten Was­sers (das schwer ist, aber kei­nen Nähr­wert hat), lässt die­ser Pro­zess sie pro Gewichts- oder Volu­men­ein­heit nahr­haf­ter aus­se­hen und was viel wich­ti­ger ist, auch teu­rer ver­kau­fen. Aber wenn Sie nor­male Lebens­mit­tel ent­saf­ten, dehy­drie­ren oder pul­ve­ri­sie­ren, wür­den Sie ein sehr ähn­li­ches Nähr­wert­pro­fil entwickeln.

Typ 2 : Die gewöhn­li­chen Lebens­mit­tel mit ver­steck­ten Talenten

Die zweite Art von „Super­food” ist etwas, das man jeden Tag im Regal des Lebens­mit­tel­ge­schäfts sieht, aber jetzt auf magi­sche Weise erstaun­li­che Ernäh­rungs­ei­gen­schaf­ten ent­wi­ckelt haben (meist auf­grund einer neuen Stu­die). Jede zweite Woche gibt es eine wei­tere die­ser Stu­dien, die einige neue Lebens­mit­tel ver­herr­li­chen oder ver­teu­feln. Kaf­fee, Scho­ko­lade und Rot­wein sind häu­fige „Täter”, aber Sie wer­den auch Blau­bee­ren, Him­bee­ren, Brok­koli, Spi­nat, Grün­kohl, Man­deln oder andere Lebens­mit­tel auf den Lis­ten fin­den. Und diese „Beweise” wer­den oft mit vie­len wis­sen­schafts­be­zo­ge­nen Wör­tern und Behaup­tun­gen über „For­schung” unter­mau­ert, so dass man ein­fach anneh­men könnte, dass es wahr sei.

Fazit

Wir leben schon seit lan­gem nicht mehr in einer man­gel­er­nähr­ten Gesell­schaft. Aller­dings will uns das die Super­food-pro­du­zie­rende Wirt­schaft glau­ben machen. Aber mal ganz ehr­lich, wie haben denn unsere Eltern und Groß­el­tern über­lebt ? Laut der Super­food-Her­stel­ler hät­ten Sie schon im Kin­des­al­ter an Vit­amin­man­gel ster­ben müs­sen. Was natür­lich quatsch ist.

Selbst wenn man sich die ganze Woche nur von Bur­gern, Pizza, Nudeln und Fast­food ernährt, wird man kei­nen Vit­amin­man­gel erlei­den. Ob es Ihnen zu Gute kommt, steht auf einem ande­ren Blatt geschrie­ben. Ernäh­ren Sie sich halb­wegs gesund und aus­ge­wo­gen, wer­den Sie sicher in aller Ruhe alt.